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Amnesty International gegen die Frauenmorde in Ciudad Juárez

Poonal vom 11.11.2003
Von Birgit Marzinka, Poonal 598 vom 11.11.2003

  (Berlin, 8. November 2003, poonal).- Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International ruft zu einer Kampagne auf, um gegen die Frauenmorde in den mexikanischen Städten Ciudad Juárez und Chihuahua zu protestieren. Die Kampagne mit dem Namen "16 Tage Aktivitäten gegen Geschlechtergewalt" startet am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen, und endet am 10. Dezember, dem Internationalen Menschenrechtstag.

Die Grenzstadt Ciudad Juárez sowie Chihuahua-Stadt liegen beide im nördlichen Bundesstaat Chihuahua und sind Zentrum von 370 Morden an Frauen. Die erste Leiche der Mordserie wurde vor zehn Jahren gefunden. Keiner dieser Fälle wurde bisher gelöst. Die Opfer sind meist junge Frauen zwischen zwölf und 20 Jahren, die von ihren Mördern vergewaltigt, erwürgt, erstochen und verstümmelt wurden.

Im Juli dieses Jahres veröffentlichte die US-amerikanische AI-Sektion einen ausführlichen Bericht über die Frauenmorde. Der Bericht "Inakzeptable Morde: Zehn Jahre Verschwundene und Ermordete Frauen in Ciudad Juárez und Chihuahua" sorgte für großes Aufsehen und ist Auslöser der Kampagne. Mit verschiedenen Aktivitäten möchte Amnesty International auf die Frauenmorde aufmerksam machen. Weiterhin fordert die Organisation die mexikanische Bundesregierung und die lokalen Behörden auf, gegen die Gewalt gegen Frauen vorzugehen.

Ciudad Juárez ist ein Zentrum für Drogenhandel, Geldwäsche, und Menschenhandel. Die Polizei und die Politik unternimmt wenig gegen die organisierte Kriminalität. Bestimmte Themen öffentlich anzusprechen ist gefährlich. Es wird sich in Schweigen gehüllt und wer es bricht, der kann dies durchaus mit dem Leben bezahlen. So zum Beispiel Mario Escobeda Anaya. Der Rechtsanwalt hatte einen Mann verteidigt, dem einige der Frauenmorde zur Last gelegt worden waren. Am 5. Februar 2002 wurde er auf offener Straße erschossen. Er sei, so berichtete sein Vater nach Angaben der Journalistin Diana Washington, zuvor von Beamten verfolgt worden. Ein weiterer Fall ist der des Polizisten Javier Felipe Lardizábal. Seit Mai 1993 wurde er nicht mehr gesehen. In dieser Zeit hatte er die Korruption innerhalb der Polizei des nördlichen Bundesstaates Chihuahua verfolgt. Es spricht also vieles dafür, dass Mitarbeiter staatlicher Behörden in die Fälle verwickelt sind.

Der ehemalige mexikanische Präsident Ernesto Zedillo bat im Februar 1999 den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton um Hilfe. Über Jahre wurden keine Namen, die mit den Morden in Verbindung stehen, bekannt. Erst jetzt werden die ersten Namen veröffentlicht, und zwar immer im Rahmen von journalistischen Ermittlungen: Mitte Oktober bei der Präsentation des Buches "Huesos en el desierto" ("Knochen in der Wüste") von Sergio Gonzalez in New York und ein weiteres Mal am 31. Oktober in der mexikanischen Tageszeitung La Jornada. Vor wenigen Tagen nun veröffentlichte die Journalistin Diana Washington im US-amerikanischen El Paso die Namen von Personen, die vernommen werden sollten.

Zuvor hatte die argentinische Journalistin Graciela Atienzo bereits die Namen von einigen Personen veröffentlicht, die angeblich vernommen werden sollten: Miguel Fernández, der Besitzer eines Coca-Cola Abfüllungsunternehmen in Ciudad Juárez; Tomás Zaragoza, einer der wichtigsten Erdgasvertreiber in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern; Valentin Fuentes, Erdgasunternehmer und Eigentümer von verschiedenen Bars und anderen Geschäfte in Ciudad Juárez; Manuel Sotelo, einer der wichtigen Transportunternehmer im Norden Mexikos; Bernardo Urbina Gastronomiebesitzer in Ciudad Juárez und Jorge Hank, Unternehmer von Glückspielen und Sohn eines ehemals einflussreichen Politikers der PRI (Partido Revolucionario Institucional).

Doch nicht nur viel Geld ist hier im Spiel. Ohne die Mithilfe der Polizei wären die Morde nicht möglich, und die wiederum hängt eng mit dem Kartell des 1997 verstorbenen Drogenbosses Amado Carillo Fuentes zusammen. Vor zehn Jahren baute Carillo Fuentes das Kartell von Juárez auf. Um sein Imperium zu stabilisieren agierte Amado mit viel Gewalt. Nach Aussagen der US-amerikanischen Antidrogenbehörde DEA (Drug Enforcement Agency) gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Kartell und der PAN- Regierung (Partido Acción Nacional) von Chihuahua. Der damalige Gouverneur von Chihuahua Francisco Barrio stand für einen Wechsel und eine Reform in der Politik. Während seiner Regierungszeit wurde der Pakt zwischen der PAN-Regierung und dem Kartell von Juárez beschlossen. Ein weiteres Anzeichen für die enge Verwobenheit zwischen Kartell, Polizei und Politik ist das auffällige Nichtstun der Behörden. Im Februar 2003 sandte die US-amerikanische Polizeibehörde FBI Informationen an die Staatsanwaltschaft von Chihuahua. Doch die Staatsanwaltschaft und die Polizei stellten sich taub. Es passierte nichts.

Die mexikanische Tageszeitung La Jornada sieht Parallelen zwischen dem aktuellen Präsidenten Vicente Fox (PAN) und der damaligen Regierung von Francisco Barrio (PAN). Die Bevölkerung versprach sich nach 70 Jahren PRI-Regierung entscheidende Wechsel in der Politik. Doch die öffentliche Sicherheit nimmt stetig ab. Ähnliche kriminelle Taten, wie an der Grenze zu den USA tauchen nun auch in anderen Orten Mexikos auf. So auch in Mexiko-Stadt.


Quelle: poonal
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