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Familienangehörige geben nicht auf

Suche nach den mexikanischen Studenten geht weiter / Staatsanwaltschaft sieht alle Ermittlungslinien erschöpft

Neues Deutschland vom 22.01.2015
Von Gerd Goertz, Mexiko-Stadt

  Erweiterte Fassung eines am 21.1.2015 im Neuen Deutschland erschienenen Beitrags

Im Dezember erwartete die mexikanische Regierung sehnlichst die Weihnachtsferien. Sie hoffte, das Thema der verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa käme so endlich aus den Schlagzeilen. Doch die Rechnung ging offensichtlich nicht auf. Knapp vier Monate, nachdem organisiertes Verbrechen und die Polizei der Stadt Iguala die Studenten attackierten, dabei sechs Personen töteten und 43 Studenten verschwinden ließen, halten die Proteste gegen das Ermittlungsvorgehen der Regierungsinstitutionen an. Vor allem im Bundesstaat Guerrero haben die Aktionen erneut an Intensität gewonnen. Für den 26. Januar wird zu einer weiteren Massendemonstration in Mexiko-Stadt aufgerufen.

Die Fronten sind klar. Die mexikanische Generalbundesstaatsanwaltschaft sieht alle Ermittlungslinien als erschöpft an. Sie hält an der Version fest, dass die Studenten auf einer Müllhalde in Igualas Nachbarkommune Cocula von Mitgliedern des Drogenkartells Guerreros Unidos (Vereinigte Krieger) umgebracht und komplett verbrannt wurden. Fast 100 Personen sind inzwischen im Zusammenhang mit dem Verbrechen verhaftet worden. Darunter mehrere der mutmaßlich ausführenden Täter und das als Drahtzieher angesehene Bürgermeisterehepaar von Iguala. Doch Glaubwürdigkeit genießen die Ermittlungsbehörden bei den Familienangehörigen nicht. Zudem gibt es auf der Geolokalisierung von Mobiltelefonen der Studenten beruhende Spekulationen: Danach könnten die Verschwundenen zumindest zeitweise auf dem Kasernengelände des in Iguala stationierten 27. Infanteriebataillons festgehalten worden sein.

Am 12. Januar gab es mehrere Verletzte bei einem Zusammenstoß von Militärs sowie Angehörigen und Kommilitonen der Verschwundenen vor dem Kasernentor. Jetzt sollen zumindest die Tore der Kaserne in Iguala für Angehörige und Vertreter der staatlichen Menschenrechtskommission geöffnet werden. Ein symbolischer Akt. Niemand rechnet damit, dass damit neue Erkenntnisse einhergehen. Der mexikanische Innenminister Osorio Chong hat die Regierungsposition deutlich gemacht: »Es gibt das Interesse, Falschwissen zu schaffen und unsere Armee und unsere nationalen Einsatzkräfte in die Geschehnisse von Iguala zu verwickeln. Die Regierung weist diese Anschuldigungen kategorisch zurück.«

In der vergangenen Woche führte eine in mehrere Gruppen aufgeteilte »Bürgerkarawane« die abseits vom Staat durchgeführte Suche nach den verschwundenen Studenten weiter. An der Karawane nehmen Familienangehörige, Mitstudenten, selbstorganisierte Gemeindepolizei aus mehreren Landkreisen und einzelne Bürger teil. Die Suche begann in Iguala und soll auf andere Regionen im Bundesstaat Guerrero ausgedehnt werden. Die politische Devise lautet, nach Lebenden zu suchen, solange die Ermordung der Studenten nicht zweifelsfrei feststeht. Makabrerweise führt diese Suche nach wie vor zum Aufspüren von weiteren geheimen Massengräbern in der Umgebung von Iguala. So zuletzt am Donnerstag vergangener Woche. »Höllenstadt Iguala« beschrieb jüngst ein Zeitungskommentar die Situation, die dort in den vergangenen Jahren herrschte.

Im Zusammenhang mit dem Verbrechen an den Studenten bleiben im Übrigen die laut Listen der Staatsanwaltschaft Guerreros bei der Polizei von Iguala beschlagnahmten G36-Gewehre des deutschen Rüstungsunternehmens Heckler & Koch (H & K) ein Thema. Nach den Bestimmungen der Exportgenehmigung hätten sie dort nie hinkommen dürfen. Auch aus G36-Gewehren könnten in der Nacht vom 26. auf den 27. September Schüsse auf die Studenten abgegeben worden sein. Mexikos Außenminister José Antonio Meade, der am gestrigen Dienstag (20. Januar!) zu einem Kurzbesuch nach Deutschland kam, versicherte dazu in einem jüngst geführten dpa-Interview, er verfüge »über kein Element«, das ihm erlaube, die Beschlagnahme zu bestätigen. Angesichts der vorliegenden Liste ist diese Aussage kaum erklärlich.

 Quelle:  
  http://www.nd-online.de 
 

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