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Wahrheit und Gerechtigkeit werden nie und nimmer von oben kommen. EZLN

Kommunique vom 18.08.2015
übersetzt von RedmycZ, Christine

  Zapatistische Nationale Befreiungsarmee. Mexiko.

16. August 2015.

An die nationale und internationale Sexta:
An den nationalen indigenen Kongress:
An alle Menschen von Unten auf der ganzen Welt:
An die, die es betrifft


Einmal mehr zeigt sich klar, dass von oben weder Wahrheit noch Gerechtigkeit kommen werden.

Niemals.

Nimmer.

Von oben sind nur Täuschung, Betrug, Straflosigkeit und Zynismus zu erwarten.

Der Verbrecher von oben wird immer Freispruch und Entschädigung erhalten. Denn wer ihn richtet, ist derselbe, der bezahlt. Verbrecher und Richter sind dieselben. Es sind giftige Köpfe der gleichen Hydra.

Und jetzt haben wir ein neues Beispiel dafür:

Wir die wir Zapatist*innen sind, haben bemerkt, dass zwei der Hintermänner des Mordes am Compañero Maestro Galeano in ihre Häuser im Dorf von La Realidad zurückgekehrt sind. Dick und vergnügt. Angeblich waren sie wegen des Mordes unseres Maestro und Compañero Galeano eingesperrt. Wir wissen bereits, dass sie als nicht schuldig erklärt wurden, und zwar von denen, die sie bezahlten und die sie unterstützen: die Bundesregierung und die Landesregierung von Chiapas. Der sich selbst als »Richter” bezeichnende Víctor Manuel Zepeda López des Strafgerichtes in Comitán de Domínguez, Chiapas, hat am 12. August dieses Jahres das Urteil gefällt, dass die Herren Carmelino Rodríguez Jiménez und Javier López Rodríguez unschuldig sind, obwohl sie und ihre Komplizen der CIOAC-Histórica wissen, dass sie an der Organisation des Verbrechens schuld sind. Sie sind nicht die einzigen, aber sie sind auch mitschuldig.

Im Geheimen haben sie sie nach La Realidad zurück gebracht. Sie sagten ihnen, dass sie sich nicht viel zeigen sollen und sich diskret verhalten mögen. Aber der Hochmut derer, die sich vor dem Gesetz von oben straflos wissen, hat ihre Zunge gelöst. Und sie erzählen allen die es hören wollen, dass sie nicht im Gefängnis waren sondern sich in einem Haus aufhielten, wo sie voller Aufmerksamkeit behandelt wurden und Glückwünsche von der Landesregierung des Manuel Velasco und den Anführern der CIOAC-Histórica für den Mord am Maestro Galeano erhielten. Und man sagte ihnen, dass sie ein wenig warten müssen, bevor sie in ihr Dorf zurück kehren können um ¨fortzusetzen, was noch zu erledigen ist”.

Jetzt fehlt noch, dass ihre Komplizen zu ihren Gunsten aussagen, diese Komplizen sind: Pablo Salazar Mendeguchía, Luis H. Álvarez, Jaime Martínez Veloz, Juan Sabines Guerrero, Manuel Velasco, Manuel Culebro Gordillo, Vicente Fox, Felipe Calderón, Enrique Peña Nieto und Rosario Robles. Das sind einige der Personen, die die CIOAC-Histórica zähmten und in das verwandelten was sie jetzt ist: eine Bande von Paramilitärs, brauchbar für den Stimmenfang und für die Ermordung von Sozialkämpfern.

Es fehlt auch, dass die progressiven Zeitungen sie interviewen und sie als Opfer des »grausamen« Galeano präsentieren (er allein gegen mehr als zweihundert kriminelle Cioaquistas), die Lüge eines Zusammenstoßes aufwärmen, ihre gefälschten Fotos veröffentlichen und mit der rechten Hand für ihren geleisteten Dienst kassieren – Auto samt Chauffeur inbegriffen – während sie in ihren Medien die »große« Entwicklung im südöstlichen mexikanischen Bundesland Chiapas verherrlichen und mit der linken Hand sich ihres »Kompromisses mit den Sozialkämpfen« rühmen.

Aber…

Wir die wir Zapatist*innen sind sehen und hören nicht nur unsere Wut, unseren Zorn, unseren Hass gegen jene dort oben, die sich wie Eigentümer und Herren von Leben und Schicksalen, von Grund und Böden und dessen was darunter liegt aufführen, sowie gegen jene, die mit ihren Bewegungen und Organisationen käuflich sind und dadurch ihre Geschichte und ihre Prinzipien verraten.

Wir die wir Zapatist*innen sind sehen und hören auch andere Schmerzen, andere Wut und anderen Hass.

Wir sehen und hören den Schmerz und die Wut, die sich in den Reklamationen der Familien der Tausenden von Verschwundenen und Ermordeten mexikanischen Menschen und von Migranten zeigen.

Wir sehen und hören die hartnäckige Suche nach Gerechtigkeit der Familienangehörigen der Buben und Mädchen, die im Kindergarten ABC in Sonora ermordet wurden.

Wir sehen und hören die Wut, die sich in einen würdigen und rebellischen Hungerstreik der gefangenen Anarchist*innen in Mexiko und an anderen Plätzen dieser Welt verwandelt.

Wir sehen und hören die Wut im unermüdlichen Schreiten der Familienangehörigen der 47 Fehlenden von Ayotzinapa.

Wir sehen und hören die Wut im Volk unserer Brüder Nahua aus Ostula, die von der Armee angegriffen wurden.

Wir sehen und hören die Wut im Volk unserer Brüder Ñahtó aus San Francisco Xochicuautla wegen der Enteignung ihres Waldes.

Wir sehen und hören die Wut im Brudervolk der Yaqui wegen der schuldlos Gefangenen und wegen des unverschämten Raubes ihres Territoriums.

Wir sehen und hören die Wut, weil die Nachforschungen über die Ermordung von Olivia Alejandra Negrete Avilés, Yesenia Atziry Quiroz Alfaro, Nadia Dominicque Vera Pérez, Mile Virginia Martin Gordillo und Rubén Espinosa Becerril in Mexiko City nichts anderes als eine Augenauswischerei sind.

Wir sehen und hören die Wut der demokratischen Lehrerschaft, die dem Medienkrieg und dem Krieg durch Polizei und Militär widerstehen, den sie wegen des Verbrechens, nicht aufzugeben erleiden.

Wir sehen und hören die Empörung jener, die im aufgewühlten und brutalen Norden wegen ihrer Hautfarbe angegriffen werden und wegen dieser Farbe gerichtet und verurteilt werden.

Wir hören und sehen die Wut und den Schmerz wegen der verschwundenen und ermordeten Frauen, deren einziges Verbrechen es war, Frau zu sein, angegriffen von allen Seiten, denn die Macht erlaubt nichts, was außerhalb ihres engen Denkmusters geschieht, für die Kindheit, die ausgelöscht wird noch bevor sie eine Richtzahl in den makroökonomischen Statistiken einnimmt.

Wir sehen und hören dass die, die von sich behaupten, dass sie für die Gerechtigkeit zuständig sin, nur Lügen und Hohn verteilen und in Wirklichkeit nur die Straflosigkeit verwalten und das Verbrechen unterstützen.

Wir sehen und hören überall die gleichen Versprechen über Wahrheit und Gerechtigkeit und die gleichen Lügen. Nicht einmal die Worte tauschen sie aus, so als ob sie bereits ein vorgefertigtes Schriftstück lesen würden, noch dazu schlecht, alle die von oben.

Es ist bereits die Zeit in der, wenn der von unten fragt, warum er angegriffen wird, die Antwort von oben lautet: »weil du bist wer du bist«.

Denn auf dieser Welt, die uns weh tut, ist der Verbrecher frei und der Gerechte eingesperrt. Wer mordet, wird belohnt und wer stirbt, wird verleumdet.

Aber wir sehen und hören auch, dass es immer mehr Stimmen gibt, die dem allen misstrauen, die nicht mehr alles mit sich geschehen lassen, die rebellieren.

Wir die wir Zapatistinnen und Zapatisten sind, haben weder früher denen von oben vertraut, noch tun wir das jetzt und wir werden ihnen auch in Zukunft nicht trauen, ganz egal, welche Farbe ihre Fahne hat, ganz egal, wie sie sprechen, ganz egal, was ihre Rasse ist. Wer oben ist, der/die ist es, weil er/sie die von unten unterdrückt.

Die von oben halten nicht Wort, haben kein Ehrgefühl, haben keine Scham, haben keine Würde.

Wahrheit und Gerechtigkeit werden nie und nimmer von oben kommen.

Wir werden sie von unten aufbauen müssen. Und dann wird der Verbrecher zahlen, bis die Rechnung beglichen ist.

Denn was die oben nicht wissen ist die Tatsache, dass jedes straflose Verbrechen Hass und Wut immer mehr anfachen.

Und jede begangene Ungerechtigkeit macht nichts anderes als einen Weg öffnen, damit dieser Hass und diese Wut sich organisieren.

Und in der Waagschale unserer Schmerzen werden wir das werfen, was sie uns schulden.

Und wir werden die Rechnung präsentieren....und kassieren.

Und dann endlich werden wir Wahrheit und Gerechtigkeit haben. Nicht wie ein Almosen von oben, sondern wie eine Errungenschaft derer von unten.

Dann werden die Verbrecher im Gefängnis sein und nicht die Gerechten.

Und das Leben - würdig, gerecht und in Frieden - wird für alle, Männer und Frauen sein.

Das, nur das.
Aus den Bergen des Südostens von Mexiko.

Subcomandante Insurgente Moisés  /  Subcomandante Insurgente Galeano

Mexiko, August 2015.

 Quelle:  
  http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2015/08/18/16380/ 
 

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