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Mexiko: Offizielle Version des »Verschwindens« von 43 Studenten widerlegt

 

Ende der Vorstellung

junge welt vom 09.09.2015

  »Heute ist ihnen das Theater zusammengebrochen.« So drückten es die Angehörigen der am 26. September vergangenen Jahres attackierten und verschleppten Studenten auf einer Pressekonferenz am Sonntag aus. Mit einer innerhalb weniger Monate zusammengezimmerten Version der Ereignisse hatte die Generalstaatsanwaltschaft den Fall der 43 »Verschwundenen« von Ayotzinapa möglichst rasch abschließen wollen. Doch ihre »historische Wahrheit« ist nicht mehr haltbar, nachdem am Sonntag die Expertengruppe der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) ihren fast 400seitigen Abschlussbericht vorgestellt hat. Das Team hatte in Absprache mit den Eltern, dem mexikanischen Staat und der CIDH im November vergangenen Jahres eigene Untersuchungen eingeleitet. Erstere fühlen sich nun in ihren bisherigen Zweifeln an der offiziellen Darstellung bestätigt und forderten der mexikanischen Tageszeitung La Jornada zufolge ein weiteres Treffen mit Präsident Enrique Peña Nieto ein.

Die Studenten der Pädagogischen Landschule »Raúl Isidro Burgos« hatten vor rund einem Jahr in der nahe gelegenen Stadt Iguala Geld gesammelt und Busse gekapert, mit denen sie an einer Demonstration in der darauffolgenden Woche teilnehmen wollten. Auf dem Rückweg wurden sie mehrfach von Polizisten beschossen. In dieser Nacht starben bereits drei Studenten und drei weitere Personen. Die Sicherheitskräfte nahmen 43 Hochschüler fest, die seitdem vermisst werden. Die Generalstaatsanwaltschaft verkündete im Januar dieses Jahres abschließend, sie seien der kriminellen Gruppe »Guerreros Unidos« übergeben worden. Diese soll sie ermordet und auf der Müllhalde von Cocula verbrannt haben. Bisher konnte nur ein Knochen des Studenten Alexander Mora identifiziert werden, sonst sei angeblich nur noch Asche übrig.

Bereits seit Monaten wird in mexikanischen Medien bezweifelt, dass eine solche Verbrennung überhaupt möglich ist. Wie der Expertenbericht jetzt bestätigt, können Experimenten und Untersuchungen vor Ort zufolge die Bandenmitglieder die Studenten nicht verbrannt haben – dafür wäre ein irrwitzig großer Scheiterhaufen notwendig gewesen, der weiträumige Brandschäden hinterlassen hätte. Zudem verglich die Expertengruppe die Geständnisse der angeblichen Bandenmitglieder. Diese stimmen in kaum einem Punkt überein – weder in Tatzeit und -ort, Zweck und Motivation der Ermordung noch in der Zahl der lebenden und bereits toten Studenten zum Zeitpunkt der angeblichen Übergabe.

Der Bericht legt nahe, dass die Studenten unwissentlich dem in der Region florierenden Drogenhandel in die Quere gekommen sein könnten. Demnach ist Iguala Umschlagplatz für Heroin, Kokain und das aus dem Vertrieb gewonnene Geld. Für den Transport in Richtung USA seien oft Busse verwendet worden. Eines der gekaperten Fahrzeuge tauche in der offiziellen Version gar nicht auf, obwohl seine Existenz von Anfang an durch Aussagen der Studenten bekannt war. Das Einzige, was diesbezüglich alle Widersprüchlichkeiten erklären könne, sei die Annahme, dass es ein »zentrales Element des Falles« und möglicherweise für den Drogen- oder Geldtransport bestimmt gewesen sei.

Das CIDH-Team fordert Mexiko eindringlich dazu auf, weiter nach den 43 »Verschwundenen« zu suchen und zu ermitteln – auch bezüglich eines möglichen Versuchs, die Untersuchungen zu behindern. Die Empfehlungen gehen über den konkreten Fall hinaus: Ein Register für »Verschwundene« müsse eingerichtet, das »Verschwindenlassen« als Straftatbestand eingeführt werden. Außerdem bedürfe es einer Polizeireform und einer Demilitarisierung der Sicherheitsstrategie. Angesichts der faktischen Unkontrollierbarkeit der Polizeikräfte lässt der mexikanische Staat deren Aufgaben häufig von der Armee erfüllen.

Generalstaatsanwältin Arely Gómez versicherte am Sonntag umgehend, die Ermittlungen in dem Fall seien nicht abgeschlossen. Der Leiter der Kriminalbehörde, Tomás Zerón, verteidigte am Montag vehement die offiziellen Untersuchungsergebnisse. Laut La Jornada zeigte Staatspräsident Peña Nieto bereits Bereitschaft, sich erneut mit den Angehörigen zu treffen, und zögerte nicht zu erklären, dass ihn mit diesen »der Wunsch verbindet, die Wahrheit zu erfahren«. Das Parlament beschloss unterdessen die Einrichtung einer Sonderkommission zur weiteren Untersuchung des Falls.

 Quelle:  
  https://www.jungewelt.de/2015/09-09/021.php 
 

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