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[Pressemitteilungen MvB Nr. 2015-2] Ein Jahr nach Ayotzinapa

México vía Berlín vom 14.10.2015

  México vía BerlínBerlin, den 26. September 2015

P R E S S E M I T T E I L U N G
AYOTZINAPA, EINSCHNITT IN DER GESCHICHTE MEXIKOS:


MITTEILUNG VON MVB EIN JAHR NACH AYOTZINAPA

Die Nacht des 26. September 2014 stellt einen Bruch in der Geschichte Mexikos dar, denn in jener Nacht hat sich durch den Einsatz brutaler Gewalt das wahre, morbide Gesicht der mexikanischen Polizisten und Soldaten offenbart.

Sie ist ein Bruch, denn in jener Nacht haben die soziale Ungleichheit, die Armut und die Korruption, die Rechtlosigkeit und der Autoritarismus grauenhafte Verbrechen verursacht: unrechtmäßige Hinrichtungen, gewaltsames Verschwinden, Folter und staatliche Gewalt. Diese brutale Gewalt ist ein Bruch. Sie ist ein Bruch nicht deshalb, weil sie schlimmer war als andere Verfolgungen oder Vertreibungen. Nicht deshalb, weil sie verwerflicher war als all die Wirtschaftsverbrechen, die Tag ein Tag aus begangen werden, sondern weil sie sich in jener Nacht konkreter, offener, blutiger und zynischer geäußert hat als je zuvor. Sie ist ein Bruch, denn heute können wir mit Gewissheit sagen, dass staatliche Bedienstete unterschiedlichster Behörden vor Ort waren: Bundespolizisten, Zivilgardisten, Mitglieder des 27. Bataillons, alle im Dienst einer Einrichtung in Iguala. Ihr Echo war bis in die höchsten Reihen der mexikanischen Regierung zu hören.

Es ist ein Bruch, denn in jener Nacht krümmte sich das Land unter dieser brutalen Gewalt, die nicht länger die Gestalt eines kopflosen Reiters hatte, die sich nicht länger hinter der Barbarei von angeblichen kriminellen Banden verbarg. Diese Gewalt offenbart die eigentliche Geschichte, die hinter der Erzählung des sogenannten Feldzugs gegen den Drogenhandel steckt. Unter dem Deckmantel einer »erhöhten Sicherheitspolitik« und dem eines effizient gegen Kartelle vorgehenden Militärs wurde diese Version der Geschichte erschaffen, als ob dies die einzige Aufgabe des Militärs sei.

Diese Nacht stellt allerdings nicht nur einen Bruch in der Geschichte Mexikos dar wegen dem, was wir inzwischen über die Ereignisse in Iguala wissen. Sie ist auch ein Bruch wegen dem sozialen Beben, was folgen sollte und ein kollektives Bewusstsein wachrüttelte – inklusive Nachbeben und einer sich vom Epizentrum weit verbreitenden Strahlkraft. Nachbeben und Verbreitung waren und bleiben maßgeblich für die Entstehung eines neuen Verständnisses unserer mexikanischen Geschichte; maßgeblich für die Fortsetzung unseres Kampfes für Gerechtigkeit; maßgeblich für die Art, wie die Geschichte fortgeschrieben wird.

Diese Nacht ist ein Bruch, denn jeder Erklärungsversuch aus dem inneren unseres Regierungsapparates sowie die Verrichtung unseres alltäglichen Lebens messen dieser Sache keinerlei Bedeutung zu.

Diese Nacht ist ein Bruch, denn diesmal gab es keinen Vorhang, hinter dem sich der repressive Staatsapparat hätte verstecken können. Das wahre Gesicht des Staates wurde offengelegt, frei gewaschen von der Schminke der Ideologie, der Rechtfertigung oder der, die seine Verantwortung schlichtweg abperlen lässt. Die Nacht des 26. September stellt einen Bruch dar, weil sie gezeigt hat, dass der Schatten dieser brutalen Gewalt weit über Mexiko hinausragt. Wir wissen heute, dass jene Polizisten, die vermutlich am Mord des Studenten Julio César Mondragón – er wurde gefoltert und ihm wurde das Gesicht abgezogen – beteiligt waren, mit illegal exportierten Waffen ausgerüstet waren. Wir wissen auch, dass deutsche Waffen bereits 2011 gegen Studenten in Mexiko eingesetzt wurden. Wir wissen auch, dass die Forderung danach, die Mitveranwortung Deutschlands angesichts der systematischen Menschenrechtsverletzungen in Mexiko, zu klären, sich nicht mehr warten lässt. Der heutige Kenntnisstand beruht nicht ausschließlich auf den Ermittlungsergebnissen der »Interdisziplinären Ermittlergruppe«, sondern auch auf den Rechercheergebnissen von uns Zivilpersonen, Deutschen wie Mexikanern: Deutschland unterstützt die Interessen seiner Rüstungsindustrie. Zum einen trainierten deutsche Polizisten im Auftrag der deutschen Bundesregierung mexikanische Polizeieinheiten und zum anderen erleichterten Mitarbeiter des Bundeswirtschafts-ministeriums die illegalen Geschäfte deutscher Waffenschmieden in Mexiko.

Allerdings stellt die Nacht des 26. September auch einen Bruch dar, weil durch diese Ereignisse die Solidarität und die Zusammenarbeit deutscher und mexikanischer Aktivisten gestärkt wurden, die sich geschlossen die Aufdeckung solcher Abnormitäten einer immanent existierenden Zentrum-Peripherie-Beziehung zum Ziel erklärt haben. Ein Ziel, wodurch klar werden soll, dass Korruption und Straflosigkeit solchen politischen Systemen innewohnen.

Diese Nacht ist ein Bruch, weil die Leichen im Keller der mexikanischen Geschichte entdeckt und der Staat bloßgestellt wurden. Er offenbart zum einen seine prekären und defizitären sozialen Zustände und zum anderen seine autoritären und kriminalitätsfördernden Unternehmungen. Ayotzinapa schafft Fakten und verdrängt das Märchen vom Endes des sogenannten »schmutzige Kriegs«. MexikanerInnen in jedem Winkel der Erde sind sich heute mehr denn je bewusst, wovon sie ihren Blick nicht abwenden dürfen.

Die Nacht des 26. September ist ein Bruch in der Geschichte unseres Landes. Ja, sie ist es wegen der grauenhaften Ereignisse. Ja, sie ist es, weil sie zum Sinnbild für all das Schreckliche geworden ist, was sie hervorgebracht hat. Und ja, sie ist es für aufgrund der Veränderungen, die sich in sich birgt. Aber vor allem ist sie es aufgrund der neuen, von Lügengeschichten befreiten Geschichte Mexikos, die sich nun zeigt.

Ein Jahr nach ihrem Verschwinden fordern wir sie lebend zurück, suchen sie lebend, nennen sie lebend und werden sie weiterhin lebend verteidigen, denn lebend habt ihr sie genommen, lebend wollen wir sie zurück!

¡Vivos los llevaron, vivos los queremos!


México vía Berlín e. V. Theorie, Forschung und politische Handlung
MvB ist ein Verein, der sich der theoretischen sowie der transdisziplinären Forschung politischer, sozialer und ökonomischer Verhältnisse und Interdependenzen zwischen Mexiko und Deutschland zum einen und zwischen Europa und Lateinamerika zum zweiten widmet. Von seiner akademischen Arbeit ausgehend entwickelt der Verein Projekte politischer Handlung und Bildung unter einer internationalistischen links-gerichteten Perspektive. Vereinsregisternummer: VR 33078 B; Amtsgericht Charlottenburg, Berlin.

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