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Osterrundbrief April 2004

News vom 08.04.2004
Heike Milanomi

  Es ist Osterwoche und ruhig hier im Büro. San Cristobal ist in dieser Zeit vom Turismus besetzt. Ich denke, welch ein Privileg für mich in dieser Stadt zu leben und in einem Haus, in dessen Hof die Sonne scheint, viele Blumen und ein Gugambillabaum welcher von Kolibris und grossen bunten Schmetterlingen besucht wird. Mit dem Fahrrad bin ich in wenigen Minuten raus aus der Stadt im Wald, oder ich besuche Freunde, lade meine Nichte Simona (Schäferhündin) zum Spaziergang ein. Auf dem Markt kann ich kaufen was ich will und habe gut zu essen und bin gesund.

Und bei all dem Luxusleben kann ich sogar sinnvolle Arbeit leisten.Sei es hier im Büro am Computer Informationen verbreiten, oder Besuche zu empfangen, oder Arbeit zu planen. Oder dann noch viel mehr die Arbeit auf dem Land, die schon anstrengender (also nicht mehr luxus) aber sehr interessant ist.

Grad bin ich zurück von einer Reise, auf welcher ich den Traum der Autonomie, die Entwicklung des Zapatismus sehr vielfältig erleben durfte.

Für die einen ist es vor allem ein Dienst am Nächsten, ein Dienst für die Gemeinschaft. So erlebte ich es in einem workshop für autonome Gesundheit, an dem ca 40 Gesundheitspromotoren teilnahmen. Es ist ihnen wichtig zu lernen mit natürlichen Mitteln zu heilen. Pflanzen, Massage, Energien und körperliche Übungen wir Tai Chi und Pal Dan Gum. Lernen und das gelernte weiter zu geben. Oder auch die autonomen Schulen, in welchen Bildungspromotoren mit viel Liebe und wenig professionellen Materialien und Ausbildung Kinder unterrichten. Auch sie tun es ohne Geld, als Dienst an ihrer Gemeinde. Oft unter Drohungen. Ich habe gerade erfahren, das Militär sei auf der Suche nach diesen Schulen.

Ganz anders erlebte ich es mit Zapatisten, die versuchen ihre Autonomie im Urwald aufzubauen. Das wichtigste für sie, die Ernährung der Familie. Der Hauptgrund ihr Dorf zu verlassen und ein autonomes Dorf im Urwald aufzubauen, die Landnot. Und im Urwald da wächst der Mais ohne Düngemittel und es gibt 3 Ernten im Jahr. Ich sprach mit Leuten die auf Suche nach Land von Rechtsanwälten betrogen wurden und auf Suche nach Arbeit von Grossgrundbesitzern ausgebeutet wurden. "In Tabasco bekamen wir 230 $ pesos (weniger als 20 euros) für 6 Tage Arbeit von Sonnenauf bis Untergang. Hier haben wir unser eigenes Land, haben gut zu essen und können ausruhn wenn wir müde sind. Wir werden es nicht verlassen.‰

Ich traf auch viele, die im Herzen weiterhin mit den Zapatisten kämpfen und von der Autonomie träumen. Die es aber mit dem Widerstand nicht aushalten. Da sind die Kriegsvertriebenen die sich auf Hilfen oder Verhandlungen mit Regierungsstellen einlassen um auf ihr Land zurück zu kehren. Oder Viehbauern, deren Tiere im Krieg gestohlen wurden und denen Regierungsprogramme Tiere anbieten. Da sind die Mütter vieler Kinder, welche als einziges Geld das Regierungsprogramm Opportunidades annehmen. Wer sich auf Programme der Regierung einlässt wird aus den Reihen der zapatistischen Unterstützungsbasen ausgeschlossen. Der Zapatismus verlangt schon viel Engagement von seinen Leuten. Von Regierungsstellen hören wir des öfteren von der Schwächung des Zapatismus. Nun ja in Zahlen haben sie vielleicht Recht, aber die Herzen der Menschen können sie so nicht zählen. Ich weis von vielen, die den Widerstand nicht aushalten, aber weiterhin Sympatisanten sind und sich einsetzen wo es ihnen möglich ist.

Leider gibt es aber auch viele Konflikte, zwischen denen die ihre Autonomie aufbauen und denen die ausgestiegen sind, oder auch denen die schon immer mit den gerade regierenden Parteien zusammen arbeiten. Oft sind es nur Gerüchte, die einen reden schlecht über die anderen. Aber manchmal artet es in Gewalt aus. Gestern kam es zu einer Konfrontation zwischen Zapatisten und Angehörigen der PRD die sich um Wasser streiten. PRD setzten sogar Schusswaffen ein und es gibt einige Verletzte. Eine friedliche Demonstration von Zapatisten wurde von PRDs mit Schutz de örtlichen Polizei angegriffen. Nun sind Verletzte in Krankenhäuser, hunderte Zapatisten wurden zu Flüchtlingen, es wird von Toten gesprochen. Heute haben wir die Dörfer besucht. In einem Dorf fanden wir zerstörte Häuser, in zwei weiteres verlassene Häuser. Zurückgebliebene Tiere baten uns um Wasser und Mais. Eine Frau, die in einem Haus versteckt war kam mit ihren 5 Kindern mit uns. Wer hat Interesse an diesem Krieg?

Auch habe ich auf dieser Reise wieder erlebt welch grossen Einfluss haben die Führungspersönlichkeiten jeder Gemeinde. Wir besuchten eine Gruppe die es versucht hatte ein autonomes Dorf im Urwald aufzubauen. Wegen Streit untereinander hatten die meisten von ihnen das Dorf verlassen. Eine Familie war allein im Dorf, als die Polizei sie räumte und den Vater verhaftete. Die Tochter sah die Häuser brennen und glaubt die Soldaten hätten sie angezündet. Das Militär verbot den Zutritt für Besucher. Auch wir riskierten es nicht, allein fänden wir den Weg durch den Urwald sowieso nicht, und wer sollte es riskieren uns hinzuführen. Wir sprachen mit der Familie des Verhafteten, die als Flüchtlinge im Nachbarort leben. Wir besuchten die Leute die das Dorf verlassen hatten, in ihrem Heimatort, 1 bis 2 Tagesreisen entfernt. Einige berichteten uns sie hätten zurückkehren wollen. Frauen erzählten uns von Kochgeschirr, Lebensmitteln und Tieren die sie verloren hatten. Männer von ihrem Maisanbau und von ihrem Traum eines neuen Lebens im Urwald. Wir fragten warum sie denn den Urwald verlassen hatten. Die Antwort: "Wir hatten es geschafft den Angriffen der Lacandones (regierungstreue Indianergruppe) und den Drohungen des Militärs und der Regierungsbehörden zu widerstehen. Aber schafften es nicht den internen Streit zu lösen.‰ Einige sind zurück im Heimatort, sie mieten Land um es zu bearbeiten. Andere gehen als Tagelöhner in die Städte oder in den Norden (USA). Einige beteiligen sich am Aufbau des Zapatismus in ihrer Heimatregion. Andere haben es aufgegeben. Das wichtigste ist den Hunger der Familie zu stillen.

Die Welten hier sind voller Widersprüche. Wir besuchen den lokalen Abgeordneten der Regierungspartei PAN, Besitzer einer Apotheke und eines Ladens indem feine Kleidung, Spielzeug und sonstiger Kram verkauft wird. Er läd uns zu einem Kaffee ein. Diesmal berichtet er von einer besonderen Bedrohung: die Zapatistischen bauen autonomen Schulen auf. Das Militär ginge besorgt der Sache nach. Seine Tochter kommt herein und verlangt Geld von ihm, und will ein neues Spielzeug. Er gibt der Tochter 5 pesos und seine Frau, die aussieht wie aus einer Fernsehreklame nimmt das Mädchen an der Hand um es zur Schule zu bringen. Welche Zukunft bietet er seiner Tochter? Von welcher Zukunft träumen die Eltern, die ihre Kinder in einen autonome Schule schicken?

Und wo sind wir, Sipaz, internationale Beobachterinnen in diesem ganzen Spiel?

Ich möchte diesen Rundbrief beenden mit der klaren (diesmal wirklichen) Ankündigung meiner Vortragsreise nach Europa. Ich werde im Dezember 2004 für ca 6 Monate unterwegs sein. Vom 8. Bis 10.12. bin ich in Weimar. Als Anhang schicke ich die Einladung. Ich glaube ist öffentlich die Veranstaltung. Am besten, wer mich in Thüringen einladen mag im Dezember, nach dem 10. Ich denke im Januar Besuche beim eed und BMZ zu machen, also für NRW und Rheinland wäre dann Januar gut. Wer langfristig plant, Programme erstellt und Gelder beantragt sollte glaube ich schon bald damit beginnen. Da ich noch nicht weis wer die Tour koordinieren wird, schickt eure Vorschläge und Fragen bitte an mich.

Viele liebe Grüsse Heike Milanomi

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