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Linker Aktivist in Mexiko-Stadt ermordet

Eltern, Universität und FreundInnen sprechen von politischem Mord. WeitereAktivistInnen bedroht

News vom 04.05.2004

  Am 24. April wurden die Eltern des Studenten Noél Pável González González über den Tod ihres Sohnes informiert. Er war seit dem 19. April verschwunden und wurde, einige Kilometer von der UNAM (Nationale autonome Universität von Mexiko) entfernt, aufgehängt aufgefunden. Offensichtlich sollte ein Selbstmord vorgetäuscht werden. Die Autopsie ergab jedoch Folter, Vergewaltigung und einen Schädelbasisbruch. Diese Misshandlungen wurden ihm vom ersten Tag an zugefügt, am 23. April erlag er seinen Verletzungen. González war im UNAM-Streik von 1999/2000 gegen die Privatisierung der Bildung aktiv gewesen, nahm immer wieder an Mobilisierungen gegen die neoliberale Globalisierung teil und war ehrenamtlich in der zapatistischen Kooperative Smaliyel aktiv, die unter anderem in Mexiko-Stadt Kaffee aus aufständischen Gemeinden in Chiapas vertreibt.

Seine Eltern, seine politischen Weggefährten, die Hochschulen UNAM und ENAH und verschiedene soziale Organisationen stuften das Verbrechen als einen politischen Mord ein. Sie sind überzeugt, das González aufgrund seines politischen Engagements sterben musste. Am 29. April fand eine große Demonstration vor dem Regierungsministerium statt, auf der die vollständige Aufklärung des Mordes und die Bestrafung der Täter gefordert wurde. Der Protestzug wurde von den Eltern von González und Rosario Ibarra de Piedra angeführt, die seit den 70er Jahren für die Interessen der Hinterbliebenen von Verschwundenen kämpft. Sie rief dazu auf, friedlich gegen die amtierende Regierung zu kämpfen, da ihre "Menschenrechtskommissionen nichts wert" seien.

Seit Jahrzehnten gilt der "schmutzige Krieg", die politische Gewalt gegen emanzipatorische Bewegungen, als ein enormes gesellschaftliches Problem in Mexiko. Weit über 1.000 Menschen sind seit dem Massaker vom 2. Oktober 1968 an mindestens 400 protestierenden Studentinnen und Studenten aus politischen Gründen ermordet worden. In der Regel sind die Opfer linken und indigenen Gruppen, Basisorganisationen sowie Menschenrechtsgruppen zuzuordnen. Die Täter werden meist nicht ermittelt. Die Soziologin und Journalistin Marta Durán erläutert im Gespräch vom 2. Mai: "Präsident Vicente Fox und seine Regierung möchten nach außen das Bild eines demokratischen und zivilisierten Landes vermitteln. Fox spricht immer wieder von einer ’Regierung des Wechsels’, doch es gibt eine unglaubliche Kontinuität zur jahrzehntelangen Herrschaft der PRI (Institutionelle Revolutionäre Partei). Unter seiner Regierung dauern die Straflosigkeit und die permanente Belästigung von sozialen Aktivisten an. Die Autoritäten haben überhaupt nichts zum aktuellen Fall gesagt ".Auch die Mehrheit der mexikanischen Medien berichtete spärlich oder überhaupt nicht über den aktuellen Mord.

Nachdem die Kooperative Smaliyel, die zapatistische Front FZLN und das zapatistische Netzwerk zur nationalen Befreiung am 28. April einen Protestbrief in der linken Tageszeitung "La Jornada" veröffentlicht hatten, wurden mehrere Aktivistinnen und Aktivisten namentlich massiv bedroht: "Gegen diese beschissenen Zapatisten. Entweder sie hauen ab, oder die Apokalypse kommt. Die mit dem Kaffee, die mit den lächerlichen Karawanen. Folgt den beschissenen Zapatisten und wir werden sehen."

Die FZLN berichtet weiter, dass die Drohung einen Hinweis auf "el Yunque" (der Amboss) enthielt, eine klandestine ultrarechte Gruppierung, die in letzter Zeit ihre Pro-Nazi-Aktivitäten in mehreren Schulen der UNAM verstärkt habe. Interessanterweise wird von verschiedenen mexikanischen Journalisten behauptet, dass diese Rechtsextremisten Teile der aktuellen mexikanischen Regierung unterwandert hätten. So berichtete die Wochenschrift "Proceso" Ende April, dass Ramón Muñoz Gutiérrez, der Chef des Innovationsbüros der Regierung ist und dem Präsidenten äußerst nahe steht, Teil dieser Gruppierung sei. Auch der Vorsitzende der Partei der Nationalen Aktion (PAN), Luis Felipe Bravo Mena, sei dort aktiv. Die seit Dezember 2000 amtierende Regierung wird hauptsächlich von der PAN gestellt, gilt als äußerst neoliberal, rechtskonservativ und frauenfeindlich, wird jedoch von der westlichen Welt als "demokratisch" betrachtet.

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