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Umstrittene Modernisierung des historischen Viertels der Hauptstadt

Poonal vom 11.05.2004
Von John Ross und Roberto Roa

  (Mexiko-Stadt, Mai 2004).- Carlos Slim Helú, der reichste Mann Lateinamerikas, hat ein neues Hobby: Er möchte die Altstadt von Mexiko-Stadt aufpolieren, damit das Herz der einstigen Azteken-Metropole in neuem Glanz erstrahlt. Von vielen Seiten wurde die Initiative beklatscht, während kritische Stimmen warnen, es könnte eine Luxusinsel in einem Meer von Armut entstehen.

Die historische Altstadt, von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, umfasste einst die Insel Tenochtitlán, von wo aus die Azteken ihr bis nach Zentralamerika reichendes Reich regierten. Später übten die spanischen Kolonisatoren hier ihre Macht aus, und noch heute ist dieses Viertel mit seinen engen Strassen und altehrwürdigen Häusern der Mittelpunkt des heutigen Mexikos. Im Herzen des Zentrums, das heute heruntergekommen und abends wie ausgestorben ist, liegt der Zócalo, ein immenser Platz, gesäumt von Nationalpalast und der Kathedrale.

Slim Helú, ein Magnat libanesischer Abstammung, soll ein Vermögen von weit über acht Milliarden US-Dollar besitzen und dominiert ein Firmenimperium, zu dem Giganten wie die mexikanische Telekom "Telmex" und die renommierte Restaurantkette Sanborns gehören. Seine Eltern wanderten Ende des 19. Jahrhunderts nach Mexiko ein, wie viele Flüchtlinge begann sein Vater als Straßenverkäufer im Straßengewirr hinter dem Nationalpalast und schuf schließlich sein Handelsimperium "La Estrella del Oriente". Es liegt in der traditionsreichen Calle Mayor, in der sich seit jeher jüdische und arabische Kaufleute um die Kundschaft streiten. Juden und Libanesen sind auch die Migrantengruppen, die es in Mexiko zum meisten Wohlstand gebracht haben.

Sein Herz für die Altstadt entdeckte Slim Helú als der linke Bürgermeister der Hauptstadt, Manuel López Obrador von der Oppositionspartei PRD, ihm vor zwei Jahren anbot, eine Kommission zur Restaurierung des Viertels zu leiten. Seitdem investierten seine Firmen weit über 50 Millionen in rund 70 Gebäude in dem 34 Blöcke umfassenden ehemaligen Finanzzentrum der Altstadt. Viele der Häuser kaufte er kurzerhand, um sofort mit den Renovierungsarbeiten zu beginnen.

Seit 1985 sind große Teile des historischen Viertels verwaist, nachdem ein verheerendes Erdbeben unzählige Häuser zerstörte und Hunderte Menschen verschüttete. Tagsüber locken Geschäfte und Bürohäuser über eine Million Menschen in die Gegend, aber nur noch 80.000 Familien haben dort ihren Wohnsitz. Slim Helú und López Obrador wollen jetzt neuen Wohnraum schaffen und das alte Zentrum für Angehörige der Mittelklasse attraktiv machen.

Slim Helú beteuert, keine politischen Präferenzen zu haben und sich "aus purer Nostalgie" zu engagieren. Der PRD-Bürgermeister ist jedenfalls hocherfreut über die tatkräftige Unterstützung für das Projekt, dass er in Jahr 2001 zusammen mit Präsident Vicente Fox ins Leben rief. Zumal es vor allem finanziell hapert: Die Stadt kann nur 70 Millionen US-Dollar beisteuern, die restlichen 1,5 Millionen sollen private Investoren aufbringen.

Allerdings scheint die publizitätswirksame "Rettung" der Altstadt ein etwas extravagantes Unterfangen zu werden. Bisher profitieren gerade mal 34 von 668 Wohnblöcken, die insgesamt 9,1 Quadratkilometer teils verfallener Bauten umfassen, in denen der informelle Handel dominiert und die Drogenmafia Unterschlupf findet. Als Tropfen auf den heißen Stein bezeichnet der Stadtentwickler Raúl Coulomb das selektive Vorgehen. "Es ist weder politisch noch moralisch sinnvoll, eine Wohlstandsinsel inmitten eines Meeres von Armut zu schaffen," so der Fachmann, der eine Legislaturperiode zuvor damit betraut war, das Zentrum der mexikanischen Hauptstadt wohnlicher zu gestalten.

Trotz des Verfalls der Umgebung sind die 34 Blöcke ein brillantes Beispiel dafür, wie schnell ein altes Viertel erneuert werden kann, wenn die Investitionen fließen. Die einst dunklen Ecken erstrahlen jetzt im Licht wunderschöner alter Straßenlaternen, ansehnliche Geschäfte ergänzen die prachtvoll renovierten, in fröhlichen Farben gestrichenen Fassaden und für moderne Abfallentsorgung ist ebenfalls gesorgt. Schön — aber auch teuer, sagen die Kritiker: Enorme Mietsteigerungen von 50 Prozent und mehr machen jetzt den wenigen verbliebenen Altmietern zu schaffen.


Quelle: poonal
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