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Migranten zwischen der "Migra" und den "Maras"

Poonal vom 15.06.2004
Von John Ross

  (Tapachula, 2. Juni 2004, na).- Angel und Willian verließen die armen Viertel von San Pedro Sula in Honduras mit dem Ziel nach Houston im US-amerikanischen Bundesstaat Texas zu gehen. Dort wohnt ein Cousin von Angel, der den beiden versprach Arbeit zu besorgen. Eine Woche nach ihrer Abreise kamen sie in Tecun Uman an, eine Stadt an der Grenze zwischen Guatemala und Mexiko. Hier befindet sich das Haus der Migranten, eine heruntergekommene Hacienda, die von der katholischen Kirche verwaltet wird. Hier machen alle müden Reisenden Station, die auf dem Weg in den Norden sind. Und hier gibt es wertvolle Informationen über die Gefahren, die dem Wanderer auf dem Weg drohen.

"Die Kojoten (Menschenschmuggler) werden euch das Geld klauen und euch danach an die "Migra", die mexikanische Migrationsbehörde, verkaufen", erzählte Barney, ein Grenzvagabund. "Sie werden euch zum Bahnhof bringen, aber seid vorsichtig, weil die Mara Salvatrucha (eine der Banden) Besitzer dieses Zuges ist. Wenn sie merken, dass ihr nicht bezahlt habt, werden sie euch rausschmeißen." Angel und Willian zitterten vor Schreck, als sie den Name der gefährlichen salvadorianischen Bande hörten, die das Niemandsland zwischen Guatemala und Mexiko kontrolliert.

Während Chicanobanden, die sogenannten "Cholos", an der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten die Mexikaner, die in die USA wollen, schlagen und beklauen, macht die Mara Salvatrucha den Mittelamerikanern, die über die Grenze von Guatemala in den südlichsten mexikanischen Bundesstaat Chiapas wollen, das Leben zur Hölle. Die Immigranten müssen zuerst durch den Fluss Suchiate schwimmen um den Zug zu erreichen, der nachts von Ciudad Hidalgo und Tapachula in Chiapas in Richtung der texanischen Grenze über die Städte Tabasco und Veracruz fährt. Bei Dämmerung warten die Illegalen in einer Reihe entlang der Zugschienen um auf den Zug zu springen, wenn dieser langsam vorbeifährt.

Die mexikanische Migrationsbehörde hat einen schlechteren Ruf als ihre US-amerikanischen Kollegen, die wenigsten per Gesetz körperliche Misshandlungen vermeiden müssen. Letztes Jahr war die Hälfte der Anzeigen von Mittelamerikanern und ihren Verteidigern vor der staatlichen mexikanischen Kommission für Menschenrechte CND (Comisión Nacional de Derechos Humanos) gegen die staatliche Migrationsbehörde INM (Instituto Nacional de Migración) gerichtet. Sie prangern Brutalität, Erpressung und andere Delikte gegen die Reisenden an. Nur zwei von neun Klägern zeigten die Mara Salvatrucha an. Die mexikanische Behörde deportiert jährlich mehr als 100.000 Illegale nach Tecun Uman. Sie werden an der anderen Seite der Brücke über den Fluss Suchiate in Guatemala ausgesetzt, egal woher sie kamen.

José Andrés schaffte fast den Weg nach Texas. Er und seine Freunde kamen bis nach Monterrey, 160 Kilometer von der US-amerikanischen Grenze entfernt. Sie wurden von dem Besitzer eines Hotels verraten. Offiziere der INM schlugen sie die gesamten drei Tage, die sie benötigten um nach Tecun Uman zurück zu kommen.

Die Angst vor der Mara Salvatrucha ist an der ganzen südlichen Grenze Mexikos zu spüren. Die fetten Schlagzeilen der Zeitungen sorgen für den schlechten Ruf der Bande. Die chiapanekische Polizei gründete zusammen mit anderen Ordnungshütern eine Sondereinheit mit dem Namen "Operation Stahl" um die Bandenmitglieder zu kontrollieren. Letztes Jahr wurden ungefähr 700 Mitglieder der Maras des Landes verwiesen. Die mexikanische Migrationsbehörde neigt dazu die Aktionen der Mara Salvatrucha zu übertreiben. Sie schätzen die Nummer der Mitglieder dieser Organisation die, täglich nach Mexiko kommen, auf 25 bis 30 Personen. Die INM wies die Operationen von Salvatrucha in acht Bundesstaaten und in Mexiko-Stadt nach. Die Mitgliederzahl der Bande wird auf 5.000 geschätzt, wovon 3.000 zu einer der Banden der armen Viertel um Tapachula gehören.

Der Ursprung der Mara Salvatrucha ist in den Straßen Kaliforniens während der 70er und 80er-Jahre zu finden. Ihre Mitglieder waren Menschen, die vor dem Krieg in El Salvador geflüchtet sind. Damals organisierten die älteren Jugendlichen die neu Hinzukommenden in gefürchtete Banden um sich gegen die ansässigen mexikanischen Cliquen zu verteidigen. Anfang der 90er-Jahre war der Krieg in El Salvador zu Ende und die Salvatruchas begannen in ihr Land zurück zu kehren. Einige, die vorbestraft in den Gefängnissen Kaliforniens saßen, wurden aus den Vereinigten Staaten direkt in das Land ausgewiesen, an das sie nur vage Erinnerungen hatten. Andere wurden von ihren Familien zurückgeschickt um sich der Probleme zu entledigen. Sie trafen alle im Nachkriegs-El Salvador ein, in dem das Chaos herrschte. Die stark bewaffneten Maras fanden ihren Platz auf den Straßen. Sie handelten mit Drogen und wurden Duzender Entführungen beschuldigt sowie der Hälfte der Ermordungen im Land.

Das salvadorianische Parlament erließ im Jahr 2002 ein Gesetz zur Bekämpfung der Maras und seit dem letzten Jahr werden harte Maßnahmen gegen die Banden in Guatemala und Honduras durchgeführt. Die salvadorianische Polizei rief im Juli letzten Jahres den Plan "harte Hand" ins Leben und verhaftete in den ersten hundert Tagen ungefähr 5.000 Verdächtige. Momentan sind Maras in El Salvador, Honduras, Guatemala, Mexiko und den Vereinigten Staaten aktiv. Laut einem Bericht, der in www.streetgangs.com veröffentlicht wurde, gibt es 8.000 Bandenmitglieder mittelamerikanischer Herkunft in den Vereinigten Staaten.


Quelle: poonal
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