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Brief an die Frauenbewegung Kurdistans, Komalên Jinên Kurdistan (KJK)

CNI vom 15.11.2017
übersetzt von lisa - colectivo malíntzin

  San Cristóbal de Las Casas, CIDECI-UNITIERRA, Chiapas, Mexiko, Oktober 2017.
An die Frauenbewegung Kurdistans, Komalên Jinên Kurdistan (KJK).


Compañeras und Hermanas (1),

Wir Frauen – versammelt in der Asamblea des Congreso Nacional Indígena (2), der seit 21 Jahren die Pueblos originarios (3) Mexikos verbindet – als Delegiertinnen, Indígenas originarios (4) Mexikos, als Rätinnen und als Sprecherin des Indigenen Regierungsrats (5) der Pueblos Amuzgo, Tojolabal, Ñahñu/Ñatho, Nahua, Wixárika, Tzeltal, Maya, Tohono Odham, Totonaco, Binniza, Tzotzil, Guarijio, Kumiai, Chol, Purépecha, Mayo, Rarámuri, Tepehuano, Me ´phaa, Popoluca, Zoque, Cochimi, Coca, Cora, Yaqui, Mam, Mazahua, Tenek, Chiananteco, Na Savi, Cuicateco, Mixe, Triqui, Ikoots, Chichimeca und Mazateco – senden Euch einen schwesterlichen Gruß (6). Wir danken Euch von ganzem Herzen für den Brief, den Ihr uns im Juni diesen Jahres zukommen ließt. Wir danken Euch für die sich darin zeigende solidarische Umarmung und revolutionäre Unterstützung für uns indigene Frauen und uns Pueblos des Congreso Nacional Indígena.

Diesen Brief haben wir in vielen Gemeinde-Vollversammlungen vorgelesen und mit vielen Compañeras und Compañeros geteilt. Wir möchten Euch sagen: Von Eurem würdigen Kampf und Eurer Solidarität zu wissen, erlaubte es uns, uns in Euch widerzuspiegeln. Es hat uns Kraft gegeben. Wir sind geographisch weit von einander entfernt, jedoch in unseren libertären Idealen und Praxen sehr nah. Gemeinsam mit Euch sagen wir Frauen: Wir Frauen der Pueblos originarios erheben unsere Stimme in mitten dieses Krieges gegen die Menschheit. Wir organisieren uns und gehen den Weg der Befreiung unserer Pueblos, der Befreiung von uns Frauen – die wir die Hälfte der menschlichen Gemeinschaft bilden.

Wir erkennen Euren Kampf an und wertschätzen ihn. Der Kampf jeder Frau – wo auch immer auf der Welt, zu welcher Zeit auch immer sie kämpft und rebelliert, neue Wege des Lebens zu schaffen vorschlägt – angesichts dieses patriarchalen kapitalistischen Ungeheuers, das uns unterdrückt – ist ein würdiger Kampf, der uns vereinen soll. Wir sind überzeugt davon, die Wichtigkeit wieder zu erlangen, dass wir Frauen uns aus unserer Gemeinschaft erheben – nicht um mit unseren Hermanos, unseren Brüdern, zu streiten, sondern um uns mit ihnen und unseren Pueblos zu organisieren.

Dieses patriarchale kapitalistische System des Todes setzt uns Frauen an die mieseste, unbequemste, meist vergessene und am stärksten unterdrückte Stelle. Es beschädigt nicht nur uns, sondern auch unsere Brüder. Wenn es der Gemeinschaft, der Comunidad, schlecht geht, so geht es uns Frauen noch schlechter.

In Mexiko erfahren wir Frauen des Congreso Nacional Indígena eine dreifache Verachtung, weil wir Frauen, Indígenas und Arme sind. Darum sagen wir Frauen: Wir sind die am stärksten Verachteten. Darum sind wir auch diejenigen – die gemeinsam mit allen Frauen und Männern Mexikos und der Welt – das Ende des uns quälenden Systems und die Schaffung eines neuen auslösen können. Ein neues System, das in unseren alt hergebrachten Kulturen wurzelt und gemeinschaftlich mit Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit in die Zukunft blickt.

Wir leben in einer Welt, in der die individuelle Existenz triumphiert und eine extreme Privatisierung unsere Gebiete bedroht, in der unser Denken kolonisiert und uns die Idee unerschöpflicher Leben verkauft wird. Dieses System hat sich nach und nach ausgeweitet; es durchdringt uns, nimmt uns die Identität als Comunidad und als Pueblos (7). Wir Frauen und Männer, Indígenas Mexikos, die wir den Congreso Nacional Indígena bilden, sagen jedoch: Ya basta! Es reicht! Ya basta, dass unsere Stimme nicht beachtet wird, wir wieder ins Vergessen zurückkehren sollen, nachdem wir vor mehr als 20 Jahren durch unsere Compañeras und Compañeros Zapatistas aufgeweckt wurden. Wir sagen jetzt: Es ist die Stunde, dass die Pueblos erblühen. Es ist die Stunde der Würde der Frauen, die wir erneut unseren Kämpfen eine Stimme geben – und damit fortfahren werden. Angesichts des heftigen Angriffs des kapitalistischen Systems, das uns vernichten will, sagen wir indigenen Frauen: Wir werden nicht nachlassen; wir werden kämpfen; wir werden uns in unseren Rebellionen und Widerständen organisieren. Wir werden dieses System konfrontieren, das uns, Frauen und Männer, verschwinden machen will. Wir sagen weiterhin: Wir lassen das nicht zu.

Euer Pueblo und unsere Pueblos zeigen die gleiche Geschichte. Seit dem Eroberungskrieg, den die spanische Krone in unseren Ländern führte, haben unsere Leute – so wie Eure – Widerstand geleistet, um mit unseren Gebieten, Sprachen, Kleidungen, Kulturen und eigenen Regierungsformen als Pueblos, tribus, naciones (8) zu überleben. Darum sagen wir: Mehr als fünfhundert Jahre haben unsere Pueblos gegen all die schlechten Regierungen, die versuchten, uns zu vernichten, gekämpft.

Wir möchten Euch sagen, Euer Wort zu hören und Euren Kampf kennenzulernen, erlaubt uns zu verstehen, die Probleme, die uns quälen, spiegeln sich auch in anderen Geographien wider. Es ist offensichtlich, dieses System des Todes schlägt alle Personen, Organisationen, Pueblos, die wir uns weigern, mitzulaufen. Durch Euer Beispiel und Euren Mut zeigt sich jedoch auch sehr deutlich: Nur im Zusammenbringen der antikapitalistischen und antipatriarchalen Kämpfe weltweit und uns organisierend und artikulierend – Euer Kampf und unser Kampf; der von abertausenden Frauen und Männern; Arbeiterinnen und Arbeitern; zusammen mit Gewerkschaften, Jugendlichen und den Pueblos originarios – werden wir unseren gemeinsamen Feind, die tausendköpfige Hydra des kapitalistischen, patriarchalen, rassistischen und kolonialen Systems, besiegen können.

Die Compañeras und Compañeros Zapatistas kamen, um vor einem Sturm zu warnen, der sich nähert. Wir Frauen glauben, wir befinden uns bereits mitten in ihm. Wir leben in einem Land, wo ausländisches Kapital und das organisierte Verbrechen regieren. In unterschiedlicher Form als Ihr erleben auch wir tagtäglich den Krieg: Zehntausende Ermordete – insbesondere Frauen, soziale Kämpferinnen und Kämpfer, kritische Journalistinnen und Journalisten, Menschenrechtlerinnen, Menschenrechtler; zehntausende Verschwunden gemachte; tausende politische Gefangene; der Raub unserer Gebiete, die Ausbeutung und Versklavung unserer Hermanas und Hermanos, die Zerstörung unserer Madre tierra (9). Vor diesem Szenario – und wozu uns unsere Hermanas und Hermanos Zapatistas seit zwanzig ohne Unterlass eingeladen und aufgefordert haben – glauben wir, die beste Form uns zu verteidigen und in die Offensive zu gehen, ist die Organisierung von unten, von uns Frauen und Männern der Pueblos originarios, der Pueblos auf dem Land und in der Stadt. Sodass wir aufwachen, Angst und Apathie zur Seite packen, rebellieren, uns organisieren und gemeinschaftlich handeln, indem wir Räume einer nicht-kapitalistischen und nicht-patriarchalen Gesellschaft versuchen und schaffen.

Wir sagen, es ist der Moment von uns Pueblos, der Moment von uns Frauen, indem wir die Wahlkonjunktur 2018 nutzen. Weit darüber hinaus jedoch – dem Beispiel unserer Hermanas und Hermanos Zapatistas, anderer Pueblos und dem Euren folgend: Es ist der Augenblick, dass wir von unten autonome Organisierungsprozesse wieder hervorbringen, autonome Regierungen schaffen, die den in Comunidades organisierten Leuten gehorchen. So wie es der Indigene Regierungsrat ist, der unsere Kämpfe für die Schaffung einer Welt, in der alle Welten hineinpassen und sich gegenseitig respektieren, artikulieren wird. Eine Welt, die uns erlaubt, das zu sein, was wir sind und sein möchten. Eine Welt ohne Ausbeutung und Diskriminierung, in der wir Frauen respektiert und wertgeschätzt, mit eingeschlossen sein werden – um zusammen mit den Compañeros freiheitliche Beziehungen, ein harmonisches Zusammenleben zwischen uns Männern und Frauen, zwischen unseren Pueblos und mit der Madre tierra zu schaffen.

In der lebhaften Erinnerung an unsere Hermanas und Hermanos, die ihr Leben einsetzten für den Aufbau unserer Träume und die uns weiterhin begleiten – grüßen wir Euch, umarmen wir Euch, sagen wir Euch dank, Hermanas, Schwestern des Pueblo der Berge – weit entfernt und doch unseren Herzen nah. Wir wissen, Ihr lebt, organisiert Euch, kämpft und sterbt für die Befreiung aller Frauen und aller Pueblos der Welt.

Es leben die Pueblos originarios der Welt!
Es lebe die Geschwisterlichkeit (10) der Pueblos!
Es lebe der würdige Befreiungskampf der kurdischen Frauen!
Niemals mehr ein Mexiko ohne uns Frauen!
Niemals mehr eine Welt ohne uns Frauen!


Die Rätinnen und die Sprecherin des Indigenen Regierungsrats
/ des Congreso Nacional Indígena.


 Anhang  
  Brief an die Frauenbewegung Kurdistans, Komalên Jinên Kurdistan (KJK) (PDF)


Anmerkungen der_die Übersetzer_in:

(1) wörtlich: »Schwestern«
(2) wörtlich: »Nationaler Indigener Kongress«. Der CNI wurde am 12. Oktober 1996 auf Mit-Initiave der Zapatistas gegründet.
(3) wörtlich: »ursprüngliche Gemeinden/Dörfer/Völker«
(4) wörtlich: »ursprüngliche Indigene«
(5) im Original: »Concejo Indígena de Gobierno«. Der CIG hat sich am 25. Mai 2017 konstituiert.
(6) im Original: »saludo fraternal«; wörtlich: »brüderlicher Gruß«; würde hier keinen Sinn ergeben.
(7) »comunidad«; »pueblos«: kann bedeuten: »Gemeinde/Gemeinschaft«; »Dörfer/Leute/Völker«
(8) wörtlich: »Dörfer/Völker, Stämme und Nationen«
(9) wörtlich: »Mutter Erde«
(10) im Original: »hermandad«; kann auch bedeuten: »Brüderlichkeit/Verbrüderung«

 Quelle:  
  http://www.congresonacionalindigena.org/2017/11/15/carta-al-movimiento-mujeres-kurdistan-komalen-jinen-kurdistan-kjk/ 
 

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