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Die Vertriebenen aus Chalchihuitán weiterhin in ungewisser, gefährlicher Situation

News vom 20.12.2017
übersetzt von Rosa Lehmann und Katja Rameil

  Die gewaltsam vertriebenen Menschen aus Chalchihuitán, Chiapas, befinden sich weiterhin in einer ungewissen und gefährlichen Situation.

  • Die Behörden sorgen nicht für die Sicherheit von Kindern, Frauen und alten Menschen.
  • Die Zahl der Todesfälle infolge der Vertreibung ist auf neun gestiegen.
Erster Bericht einer Beobachtungsmission anbei.

Die Vertriebenen aus Chalchihuitán weiterhin in ungewisser und gefährlicher Situation
Die Vertriebenen aus Chalchihuitán weiterhin in ungewisser und gefährlicher Situation

Samstag, den 16. Dezember 2017

Aktuell befindet sich eine Brigade mit Gesundheitspersonal von zwei Nichtregierungsorganisationen aus Chiapas vor Ort: Salud y Desarrollo Comunitario (SADEC) und Casa de la Mujer Ixim Antsetic (CAM). Diese Organisationen arbeiten seit vielen Jahren im Rahmen des interdisziplinären Programms »Menschliche Entwicklung« der !utonomen Universität von Mexiko (Universidad Autónoma de México / UAM) zusammen. Mit dieser Gruppe wird die medizinische Brigade im Rahmen der Mission Bachajón und der Mission zur Menschenrechtsbeobachtung fortgesetzt, über die verschiedene Organisationen seit dem 4. Dezember bis zum heutigen Tag ihre Präsenz in der Region organisiert haben.

Seit ihrer Ankunft am Ort des Konflikts am 11. Dezember hat die Brigade die prekäre Situation und die Gefährdung, der die Bevölkerung ausgesetzt ist, bestätigt, unter der vor allem Kinder, Frauen und ältere Personen leiden. »Es ist unheimlich kalt und die Menschen schlafen unter Plastikplanen, die keinen Schutz bieten. Sie sterben an Krankheiten, die vermeidbar sind.« Den Berichten der Brigade zufolge haben die Menschen in diesen provisorisch eingerichteten Schlafstätten große !ngst, denn »in der Nacht sind Schüsse zu hören, weshalb sich die Gruppen der Vertriebenen tagsüber an öffentlichen Plätzen aufhalten, z. B. in Kirchen oder auf Sportplätzen, zum Schlafen aber ziehen sie es vor, in den Bergen Schutz zu suchen«.

Zwei Umstände verkomplizieren die Situation der Menschen: das Wetter und der zunehmende Stress infolge der anhaltenden Unsicherheit und Bedrohung. Dies betrifft besonders Personen mit chronischen degenerativen Krankheiten und kann zu ihrem Tod führen. So verstarb am 13. Dezember María Domínguez Gómez, die an Diabetes litt, im Alter von 57 Jahren an Lungenentzündung.

Bis zum Freitag waren insgesamt 10 Todesopfer zu beklagen, wenn man Samuel Luna Girón hinzuzählt, der im Oktober Schussverletzungen erlag. Die anderen neun Todesfälle sind auf die strukturelle Gewalt und die damit einhergegangene gewaltsame Vertreibung zurückzuführen, der die Menschen ausgesetzt sind. Bei den Verstorbenen handelt es sich um vier ältere Menschen, eine erwachsene Frau, drei Kinder (darunter zwei Mädchen) und eine Totgeburt. In mehreren veröffentlichen Berichten ist die Rede von etwa fünftausend Menschen, die aus ihren Gemeinden im Landkreis Chalchihuitán in Chiapas vertrieben wurden.

In diesem Zusammenhang ist insbesondere auf die Äußerung von Christian Skoog, den Vertreter von Unicef in Mexiko, hinzuweisen, der sagte, es sei »völlig inakzeptabel, dass heutzutage in Mexiko Kinder an Hunger und Kälte sterben.« Skoog appellierte, die Verpflichtung zum Schutz des Kinderwohls müsse erfüllt werden. »Das Prinzip des Kindeswohls, das in Artikel Vier der mexikanischen Verfassung festgeschrieben ist, muss respektiert werden.«

Gleichermaßen hat die Bevölkerungskampagne gegen Gewalt gegen Frauen und den Femizid in Chiapas (Campaña Popular contra la Violencia a las mujeres y el feminicidio en Chiapas) bereits am 12. November die Intervention des mexikanischen Innenministeriums und der Nationalen [Menschenrechts]kommission1 gefordert, um der Gewalt gegen Frauen zu begegnen und vorzubeugen. Sie wies darauf hin, dass es eine akute Bedrohung durch geschlechtsspezifische Gewalt gebe, weshalb die Sicherheit und das Leben der Frauen und Mädchen aus Chalchihuitán und Chenalhó garantiert werden müssten. Darauf gab es keinerlei Reaktion. In diesem Zusammenhang ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass die Todesfälle von Adriana de Jesús, Maura und María sowie die Totgeburt erst nach diesem Antrag zu verzeichnen waren. Deshalb betrachten wir diese Todesfälle als staatliche Femizide.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frauen keinerlei Möglichkeit haben, sich an Entscheidungen zu beteiligen, die diesem territorialen Konflikt zugrunde liegen. Dies kommt erschwerend zu der Unsicherheit und Angst hinzu, die viele Frauen nicht nur aus Chalchihuitán, sondern auch aus Chenalhó und Pantelhó, in den letzten Monaten erleben.

Andererseits zeigt das am 13. Dezember bekannt gewordene, obwohl bereits am 6. November gefällte Agrarurteil2, dass durch ein zeitnahes Handeln mit hoher Wahrscheinlichkeit die neun genannten Todesfälle hätten vermieden werden können. Seitens der verantwortlichen Stellen ist somit ein fahrlässiges und nachlässiges Verhalten erkennbar.

Was das Urteil zugunsten von Chenalhó betrifft, möchten wir klarstellen, dass die Bevölkerung von Chalchihuitán nicht nur ihr Land verliert, sondern auch ihre Geschichte und die Verbindung mit ihren Vorfahren, die seit langer Zeit auf diesem Land gelebt haben, das ab August 1976 nach den damaligen Grenzen anerkannt wurde, wobei diese Verträge nunmehr ohne juristische Wirkung bleiben.

Laut Erklärung von Édgar Corzo Sosa, fünfter Generalvisitator der Nationalen Menschenrechtskommission (Comisión Nacional de los Derechos Humanos / CNDH), befinden sich die Vertriebenen in einer »außerordentlich bedrohlichen Situation«, da sie seit Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt in notdürftig hergerichteten Schlafstätten und praktisch ohne jede Unterstützung mitten in den Bergen ausharren. Dem fünften Generalvisitator zufolge werden Schutzmaßnahmen und humanitäre Hilfe in den Bereichen Nahrungsmittel, Gesundheit und Bildung nicht ausreichend umgesetzt und noch viel weniger werden die Voraussetzungen geschaffen, dass die Menschen sicher nach Hause zurückkehren können, ohne sich einer Lebensgefahr auszusetzen.

Deshalb fordern wir die zuständigen Stellen und Amtsträger der einzelnen Regierungsebenen auf, im Rahmen ihrer entsprechenden Zuständigkeiten für diese gravierende Situation eine umfassende, unverzügliche und gesetzeskonforme Lösung umzusetzen.

Wir schließen uns der Forderung des Bistums von San Cristóbal de las Casas an, dass die Eindämmung, Entwaffnung und juristische Verfolgung der bewaffneten Gruppe unerlässlich ist, die »den Landkreis Chalchihuitán praktisch in einem Belagerungszustand hält«.

Hochachtungsvoll


Programa Interdisciplinario Desarrollo Humano en Chiapas UAM Xochimilco
Proyecto Urbano de Salud UAM Xochimilco
Asociación Latinoamericana de Medicina Social Región-México
Salud y Desarrollo Comunitario –SADEC-
Casa de la Mujer Ixim AntsetiC –CAM-
Misión de Bachajón
Centro de Derechos Humanos de la Mujer en Chiapas,
Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de Las Casas A.C
At’el Antsetik
CCESC-DDS Chiapas
Voces mesoamericanas
Maderas del Pueblo del Sureste
Colectiva Cereza
Equipo de Atención Psicosocial para Atención de Situaciones de Violencia
Centro de Derechos Indígenas, –CEDIAC-
Centro de Apoyo Educativo para la Comunidad, -CAEC-
Campaña Popular contra la violencia hacia las mujeres y el feminicidio en Chiapas,
Movimiento de Mujeres en Defensa de la Tierra y el Territorio en Chiapas
Comité Promotor de una Maternidad Segura y Voluntaria en Chiapas
Radio Lak Lumal
Alejandrina Cabrera M.
Georgina Rivas B.


1 Im Originaltext steht nur »Nationale Kommission«. Wir vermuten, dass damit die Menschenrechtskommission gemeint ist.

2 Anm. d. Übers.: Der seit 40 Jahren andauernde Konflikt zwischen Chalchihuitán und Chenalhó um 365 Hektar Land wurde gerichtlich zugunsten von Chenalhó entschieden. Diese Fläche war dem Urteil zufolge 1973 irrtümlicherweise Chalchihuitán zugeschrieben worden.

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